Konstruktives Entwerfen

Historisch gesehen, ist Industriedesign ein noch junger Begriff. Dennoch werden Produkte nicht erst seit der industriellen Revolution gestaltet und in Serie hergestellt. Erst im Zuge der Industrialisierung hat sich Design nicht selten als Dienstleistung an Wirtschaft und Gesellschaft definiert und wurde fälschlicherweise auf ein Instrument zur Wertschöpfung reduziert. Jedoch ist Produktgestaltung weitgehend unabhängig von ökonomischen Interessen, sondern vielmehr auch unter künstlerischen und gestalterischen, aber auch sozialen und ökologischen Aspekten zu verstehen.

Mit dem Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft befindet sich auch Industriedesign in einem starken Umbruch. Die allgemeinen Thesen guter Form sind in die Jahre gekommen, das Berufsbild des Industriedesigners emanzipiert sich von Industrie und Massenproduktion, und die Grenzen zwischen Kunst und Design sind offener denn je zuvor. Die Globalisierung von Information und Ästhetik durch Neue Medien, aber auch die Verlagerung von Produktionsstätten in Billiglohnländer, zwingt Designer – über die reine Gestaltung eines Produktes hinaus – in komplexeren Zusammenhängen zu denken und nicht nur als Problemlöser, sondern vor allem auch eigenständig identitätsstiftend zu agieren.

Ungeachtet der ständig fortwährenden Diskussion zwischen Massenprodukt und Einzelstück, zwischen Funktionalismus und Formalismus, ist Design durchgängig und untrennbar mit der Menschheitsgeschichte verbunden. Doch erstmals nach jener industriellen Epoche ist Design im Begriff, sich von der Doktrin des rein Sachlichen wieder zu lösen und nicht automatisch in den Dienst Aller zu stellen. Ein Anknüpfungspunkt zwischen Kunst und Design.

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Prof. Thomas Feichtner
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