Herzlichen Glückwunsch an Frauke Gerstenberg: Die Professorin für Raumstrategien hat mit ihrem Kollektiv raumlaborberlin den Tabori Preis erhalten. Während einer Gala im Haus der Berliner Festspiele ist am Freitag, 17. April, der Theaterpreis des Bundes in mehreren Kategorien verliehen worden. Der mit 100.000 Euro dotierte Tabori Preis 2026 gilt als höchste Auszeichnung in den Freien Darstellenden Künsten; er wird vom Fonds Darstellende Künste verliehen.
Jury schätzt „künstlerische Haltung, die Räume öffnet“
Mit dem Preis ehrt die Jury eine künstlerische Position, deren langjährige und herausragende Arbeit sowohl im bundesweiten als auch im internationalen Kontext prägend wirkt. Die Vergabe des Preises begründete die Jury so: „Die Projekte von raumlaborberlin greifen aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen auf, sprechen bewusst auch Menschen außerhalb klassischer Theaterkontexte an und erreichen damit eine breite Aktivierung von Stadtgesellschaft. […] raumlaborberlin steht exemplarisch für eine künstlerische Haltung, die Räume öffnet, Strukturen schafft und die Formate und Besucher*innen der darstellenden Künste kontinuierlich erweitert.“
Seit 1999 ist Frauke Gerstenberg Teil des raumlaborberlin
Frauke Gerstenberg ist Teil der seit 1999 bestehenden Gruppe raumlaborberlin, die an der Schnittstelle von Architektur, Stadtplanung, Kunst und Intervention arbeitet. Seit 2017 ist sie als Gastprofessorin im Studiengang Raumstrategien an der Muthesius Kunsthochschule tätig – seit Beginn des Wintersemesters 2023/2024 ist sie Professorin für Raumstrategien. Frauke Gerstenbergs Arbeitsschwerpunkte sind experimentelle Entwicklungs- und Raumkonzepte, künstlerische Interventionen und räumliche Narrative – immer mit starkem Bezug zu der Frage, wie wir in Zukunft zusammen leben wollen.
Kollektiv raumlaborberlin entwickelt die Urbane Praxis fort
Das Kollektiv raumlaborberlin besteht aus neun Mitgliedern, die einen gemeinsamen Hintergrund im Feld der Architektur haben. Als Architekt*innen, Künstler*innen, Perfomer*innen, Erfinder*innen und Kurator*innen haben sie sich unterschiedliche Handlungsräume erschlossen. Die Gruppe entwickelte sich ab 1999 aus dem gemeinsamen Interesse an einem erweiterten Verständnis von Architektur, das sich inzwischen als Urbane Praxis etabliert hat. Die Arbeitsweise von raumlabor ist situativ und handlungsorientiert, ein inhaltlicher Schwerpunkt dabei ist die gemeinschaftliche Raumproduktion, als ergebnisoffener Prozess.
raumlaborberlin: „Wir sind so überrascht wie stolz“
Über die Auszeichnung sagt das Kollektiv: „Wir freuen uns über diese neue große Wertschätzung für die kontinuierliche Arbeit in verschiedensten kooperativen Formen und sehen das als Anerkennung auch für die vielen Partner*innen, die all das mit uns über die Jahre geschafft haben! Obschon wir bereits eine Weile in den von der Architektur vermeintlich weit entfernten Gewässern des Theaters schippern, sind wir so überrascht wie stolz mit dem Theaterpreis für die freien darstellenden Künste ausgezeichnet zu werden.“
Das ist der Tabori-Preis
Der Tabori Preis ist die bundesweit höchste Auszeichnung für die Freien Darstellenden Künste. Seit Mai 2010 wird er jährlich an herausragende professionelle frei produzierende Ensembles und Künstler*innen vergeben. Mit dem Tabori Preis zeichnet der Fonds Darstellende Künste auf Empfehlung einer Expert*innenjury eine kontinuierlich sichtbare Arbeit mit hoher bundesweiter und internationaler Ausstrahlung aus, die inhaltlich relevant ist und eine ästhetisch innovative Handschrift aufweist.
George Tabori war kreativer Grenzgänger
Der Tabori Preis erinnert an den außergewöhnlichen Regisseur und Autor George Tabori, der am 24. Mai 1914 in Budapest geboren wurde. Er gründete 1966 in New York die freie Theatergruppe The Strolling Players und sorgte von 1975 bis 1978 mit seinem „Bremer Theaterlabor“ sowie zehn Jahre später in Wien mit dem Theater „Der Kreis“ für großes Aufsehen. Tabori war Zeit seines Lebens mit seinen kühnen Theater- und Albträumen einer der kreativsten Grenzgänger zwischen den Freien Theatern und den Stadt- und Staatstheatern im deutschsprachigen Raum. Von 1999 bis kurz vor seinem Tod am 23. Juli 2007 arbeitete und inszenierte er am Berliner Ensemble.
Fotos: Amelie Losier (Titelbild: Gruppenfoto) Astrid Piethan (KAT), Alexander Stumm (Floating University), Rainer Schlautmann (Plastische Demokratie)


