Was passiert mit einer Stadt, wenn ihre Räume nach und nach ihre Funktion verlieren? Der Masterstudiengang Raumstrategien hat sich mit Leerstand in Kiel befasst. Ausgehend von Stillstand und Imagination haben die Studierenden Projekte über urbane Zwischenstände entwickelt. Das Ergebnis des Seminars „Daydreams & Nightmares – Friktionen einer obsoleten Stadt“ von Professorin Frauke Gerstenberg und Professor Manfred Schulz ist bis 6. Juni in einer Ausstellung in Kiel zu sehen: mit Videokunst, Installationen, Collagen und Fotografien.
Neue Erzählungen und alternative Nutzungen
Gezeigt werden an der Flämischen Straße in Kiel vielseitige Arbeiten: So werden Orte wie Parkhäuser und Apotheken zu Projektionsflächen für neue Erzählungen und alternative Nutzungen. Zwischen „Nightmares & Daydreams“ entsteht ein Raum, in dem die Stadt neu gedacht werden kann. Sechs Projekte sind entstanden, die sich mit Raum auf verschiedene Art beschäftigen.
Von ehemaligen Tankstellen und leeren Bars
In ihrer Arbeit „Bei Risiken und Nebenwirkungen“ haben sich Lena Marie Schulz und Anna Wilkens mit Apotheken als Orten der Fürsorge befasst. Ihre Frage: Was geschieht, wenn immer mehr Apotheken aus dem Stadtbild verschwinden – und somit auch Orte der Begegnung und der unmittelbaren Hilfe im Alltag verlorengehen? Helena Kehl und Katrin Fuchs widmen sich in ihrer Installation „Schützruine“ Kiels berühmtester Ecke: der Kult-Diskothek Tucholsky. Ihr Film untersucht die ehemalige Tankstelle an der Bergstraße. Mit ihrem Film „Getting in Touch/Becoming Part – Begegnungen in einem porösen Parkhaus“ thematisieren Linea Caspers und Miriam Flick anhand eines Parkhauses in Kiel-Gaarden Räume, die sich selbst überlassen werden. Um das alte Modell der Einkaufsstraße, die in Zeiten von Online-Konsum immer weniger relevant ist, kümmert sich Yannik Schäfer in seinem 16-minütigen Film „Wenn Räume warten“. Einer leerstehenden Weinbar hat sich Sahar Seyed Sadr in ihrem Filmessay „Eulogie für eine Weinbar“ angenommen: Ihr geht es darin weniger um Neugestaltung des Raumes als vielmehr um Beobachtung, Intervention und Spekulation. Aus Leerstand ein Beziehungssystem machen – darum geht es Carlotta Horstkamp und Sarah Susanna Schlechter in ihrem Projekt „softspots – Care braucht Raum“.
Projekte zwischen Verfall und Neubeginn
Allen Arbeiten gemein ist: Sie befassen sich mit urbanen Zwischenständen, zwischen Verfall und Neubeginn. Es geht den studentischen Projekten um das, was zurückbleibt, und um all das, was neu entstehen kann, wenn man genau hinschaut. Beteiligt haben sich die Studierenden Linea Caspers, Miriam Flick, Katrin Fuchs, Carlotta Horstkamp, Helena Kehl, Sahar Seyed Sadr, Yannik Schäfer, Lena Marie Schulz, Sarah Susanna Schlechter und Anna Wilkens. Betreut worden sind die Studierenden von Professorin Frauke Gerstenberg und Professor Manfred Schulz.
- Die Ausstellung ist zu sehen bis Samstag, 6. Juni: täglich von 16 bis 18 Uhr, Finissage am Samstag um 18 Uhr in den Ausstellungsräumen an der Flämischen Straße 6-10 in Kiel.