Die Entstehungsgeschichte des Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseums Molfsee – heute offiziell als „Freilichtmuseum Molfsee – Landesmuseum für Volkskunde“ geführt – stellt ein markantes Kapitel der norddeutschen Nachkriegsgeschichte dar. Es ist eine Erzählung von kultureller Identitätsfindung, städtebaulicher Pragmatik und der physischen Verwertung der Trümmer des Zweiten Weltkriegs. Die verbreitete Annahme, das Museum sei auf dem Bombenschutt der Landeshauptstadt Kiel errichtet worden, ist keine bloße Legende, sondern ein belegbares Faktum der Baugeschichte. Auf einer Fläche von über 40 Hektar entstand ab Mitte der 1960er Jahre ein Ensemble, das heute als das größte Freilichtmuseum Norddeutschlands gilt und dessen Fundamente untrennbar mit der Zerstörung Kiels verwoben sind.
Das 21. Jahrhundert ist geprägt von globaler Vernetzung. In Kriegen und Konflikten treffen territoriale Ansprüche auf kulturelle, soziale, wirtschaftliche und wissensbasierte Netzwerke. Bilder übernehmen dabei operative Funktionen: Sie strukturieren Wahrnehmung, steuern Handlungen und wirken an der Umordnung von Räumen mit.
Nach Martina Löw ist Raum kein Container, sondern entsteht relational durch die Anordnung von Menschen, Objekten, Medien und Wissen. Kriege greifen genau diese Relationen an, zerstören sie oder setzen sie neu zusammen.
Das historische Wunderkammerkonzept macht diese Verbindung von Bild, Raum und Macht paradigmatisch sichtbar. Wunderkammern sind politisierte Wissensräume, in denen Welt durch Ordnung, Sichtbarkeit und Sammlung verfügbar gemacht wird. Die Gottorfer Herzöge inszenierten ihre Wunderkammer und den begehbaren Globus (1650) als wissenschaftliche Alternative zur militärischen Macht. Bis zu ihrer Auflösung 1713 fungierte sie als diplomatische und kulturelle Bühne.
Welche Bilder, Räume und Wissensnetzwerke wollen wir heute zu demokratischen Zwecken nutzen – und wie können wir sie schützen und zugänglich halten?
Kesselhaus- Muthesius Kunsthochschule
Ein Vortrag aus dem Projekt Wunderkammer ’26 aus der Reihe Bild, Raum und Krieg innerhalb des DLC ArtLabs.
Das DLC ArtLab verbindet neue Technologien, kulturelle Bildung und digitales Lernen, um gemeinsam mit Dir die digitale Transformation kreativ zu gestalten.
Gefördert wird das DLC Art Lab mit Mitteln der Europäischen Union (EFRE) und des Landes Schleswig-Holstein als Lernort im Digital Learning Campus SH.
Ort: Muthesius Kunsthochschule; Legienstraße 35, 24103 Kiel
Datum: Dienstag, 02.06.2026
Zeit: 18:00 – 20:00