Laura Horelli, 5.1.2027, 18:00-
Mapping Namibia – Vom Kolonialismus zu dekolonialen künstlerischen Praktiken
Die Geschichte der heutigen Republik Namibia, die seit 1990 unabhängig ist, ist von der deutschen Kolonialgeschichte geprägt. Im Jahr 1883 unterzeichnete der Geschäftsmann Adolf Lüderitz Landkaufverträge mit dem Nama-Häuptling Josef Frederiks, wohl wissend, dass Frederiks englische Meilen (1,6 km) als Maßeinheit verwendete, auch wenn er später auf der deutschen Meile (7,5 km) bestand. Die Grenzen von „Deutsch-Südwestafrika“ wurden auf der Afrika-Konferenz 1884–1885 in der Wilhelmstraße in Berlin festgelegt, einer Konferenz der europäischen Mächte sowie der Vereinigten Staaten und des Osmanischen Reiches, bei der kein einziger Afrikaner anwesend war. Diese Grenzen haben ethnische Gruppen voneinander getrennt und sie auf verschiedene Staaten aufgeteilt, wie es auch heute noch beim der Aawambo im Norden Namibias und im Süden Angolas der Fall ist. Der Widerstand der Ovaherero und Nama gegen die deutschen Siedler führte zu einem Krieg, der im ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts gipfelte. Während des südafrikanischen Apartheid-Regimes wurde die räumliche Trennung zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen und der Bevölkerung europäischer Abstammung – ein Erbe der deutschen Kolonialzeit – fortgesetzt. Nicht-weiße Arbeiter durften sich nur mit einem Pass außerhalb eines „Bantustans“ bewegen. Im Jahr 1959 kam es in Old Location, einem schwarzen Viertel von Windhoek, zu einer Zwangsräumung, bei der die Bevölkerung gegen ihre Umsiedlung außerhalb der Stadt in ein Gebiet namens Katutura protestierte. Dieses Ereignis diente als Auslöser für den anschließenden Befreiungskampf Namibias.
Wie setzen sich Künstler*innen in Namibia und Deutschland mit der Geschichte und den Kontinuitäten kolonialer Gewalt auseinander? Dieser Vortrag untersucht, wie Methoden wie das Mapping in zeitgenössischen künstlerischen Praktiken dekolonial umgekehrt werden, beispielsweise in den Werken von Tuli Mekondjo, Vitjitua Ndjiharine, Forensic Architecture, Dirk Schmit, Moses März und der Referentin selbst.
Laura Horelli ist bildende Künstlerin und Filmemacherin. Sie wurde 1976 in Helsinki geboren, wuchs in Nairobi und London auf und lebt in Berlin. In ihrer künstlerischen Arbeit, vor allem im Medium des digitalen Films, untersucht sie die Schnittstelle zwischen privatem und öffentlichem Raum. In den letzten zehn Jahren hat sie sich mit der Geschichte befasst, die Namibia, (Ost-)Deutschland und Finnland während der Kolonialzeit und der Apartheid verbindet. http://laurahorelli.com/x
Bild: Laura Horelli, Simon Tjimbawe, Daniel Munamava Street, 2026 (Detail)
Ort: Muthesius Kunsthochschule; Legienstraße 35, 24103 Kiel
Datum: Dienstag, 05.01.2027
Zeit: 18:00 – 20:00