mit: Rieke Brandt, Saskia Falke, Christin Grossmann, Nawon Song, Mareike Egge, Lisa Karnauke, Safeya Fawzy,
Laura Stange
Mitte März präsentieren Masterabsolvent*innen aus der Freien Kunst und dem Kommunikationsdesign ihre
Abschlussarbeiten im Rahmen von openspceopenspceopenspce… – Eine Lehrstelle im System im spce |
Muthesius. Die Prüfung finden zum Teil öffentlich statt.
Programm:
Dienstag, 11. März 2025
17 Uhr: Rieke Brandt –
18 Uhr: Saskia Falke – Erich Kästner „Der tägliche Kram“ – Eine Zeitung, Typografie und Buchgestaltung
19 Uhr: Christin Grossmann – Zwischen Nähe und Distanz – Buchgestaltung und szenische Lesung von A. R.
Gurneys Zweipersonenstück Love Letters, Typografie und Buchgestaltung
Mittwoch, 12. März 2025
17 Uhr: Safeya Fawzy – Die Ankunft, Typografie und Buchgestaltung
Mareike Egge – Poetry Lost? – Paradise Lost und drei Übersetzungen
Kommunikationsdesign | Typografie und Buchgestaltung»Paradise Lost«, John Miltons episches Gedicht in zwölf Büchern, erzählt die Geschichte von Adam und Evas
Fall aus dem Paradies. Drei Übersetzungen des Werkes sind als lose Blätterstapel gestaltet und mit einem Stein
beschwert. Ihre Fragilität und Unbestimmtheit stehen im Kontrast zum festen, gebundenen Buchkörper des
Originals. Die Buchreihe ist inspiriert von den Fragen: Welche Beziehung besteht zwischen Original und
Übersetzung? Handelt es sich noch um dasselbe Werk, ein neues oder um ein Fragment? Welche Elemente
gehen verloren, und ist die Übersetzung von Poesie letztlich unmöglich? Die äußere Form der Übersetzungen
macht das »Über-tragen« – zu einem neuen Ort, in eine andere Form – sichtbar. Die Gestaltung der Verse der
vier Werke in individuelle Formationen verkörpert die untrennbare Verbindung von Inhalt und Sprache im
Gedicht, indem sie visuell verdeutlicht, dass jede Übersetzung das Gedicht in eine veränderte Form überträgt.
Saskia Falke – Erich Kästner „Der tägliche Kram“ – Eine Zeitung
Kommunikationsdesign | Typografie und Buchgestaltung
Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb Erich Kästner für Die Neue Zeitung, die Jugendzeitschrift Pinguin und das
Kabarett Die Schaubude. Eine Auswahl dieser Texte veröffentlichte er später in der Sammlung Der tägliche
Kram. Chansons und Prosa 1945–1948. In Gedichten, Liedern, Theaterstücken, Essays und Glossen schildert
Kästner das Leben in den Jahren nach dem Krieg, geprägt von Neuanfang, Reflexion und dem Versuch, das
Erlebte zu verarbeiten. Ein zentrales Motiv ist sein Appell an die Jugend und die gesamte Gesellschaft, aktiv an
der Demokratie mitzuwirken, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.
Um diese Texte, insbesondere im Hinblick auf den Rechtsruck in unserer Gesellschaft, in einen aktuellen
Kontext zu setzen, wurden sie in das Medium einer Zeitung übertragen. Während ein Buch als abgeschlossenes
Werk wahrgenommen werden kann, verleiht die Zeitung den Inhalten eine größere Unmittelbarkeit. Die offene
Gestaltung erlaubt es zudem, die verschiedenen Texte nebeneinander zu präsentieren und die Stimmungen der
Nachkriegsjahre greifbarer zu machen. Ergänzt wird die Sammlung durch Auszüge aus Kästners
Tagebuch Notabene 45. Auch der zweite Teil, Die kleine Freiheit. Chansons und Prosa 1949–1952, wurde
ebenfalls in Zeitungsform neu gestaltet.
Laura Stange – Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares
Kommunikationsdesign | Typografie und Buchgestaltung
Auf einem Stapel sammelte Fernando Pessoa die Fragmente seines Werks, dem Buch der Unruhe des
Hilfsbuchhalters Bernardo Soares. Sein anskizziertes Buch umfasste willkürliche Seitenformate, Papiere und
unterschiedliche Textlängen, auf denen er Soares Gedanken niederschrieb. Die lose Form der Umsetzung
macht das Werk erlebbar. Die vorgeschlagene Reihenfolge kann aufgelöst und vollends in Soares
Gedankenstrom eingetaucht werden. In den verschiedenen Papieren bleibt ein Teil Pessoas Papier-
Durcheinanders erhalten.
Die Arbeit besteht aus Titelei, 481 losen Seiten und einem gebundenen Teil mit 88 Seiten.
Format des Buchkörpers: 180 × 245 × 85 mm
Nawon Song – Können Sie alles richtig sehen?
Freie Kunst | Keramikklasse
Die Arbeiten von Nawon Song visualisieren durch Installationen und Skulpturen die in der digitalen Technologie
transformierte und verzerrte Realität von Informationen und Bildern. Metallrahmen in horizontaler und
vertikaler Struktur, die den menschlichen Blickwinkel widerspiegeln, sind mit Linsen aus Fresnel-Material
angeordnet. Durch diese Linsen betrachtet, erscheinen aus Salz gefertigte Augäpfel nicht in ihrer
ursprünglichen Form, sondern in verschiedenen verzerrten Variationen. Dies verdeutlicht, wie wir in der
digitalen Umgebung zunehmend die Realität verlieren und in einer Welt verschwommener und unklarer
Informationen als Ressource ständig ausgebeutet werden. In einer modernen Gesellschaft, in der Technologie,
Mensch und die Kommodifizierung von Daten miteinander verflochten sind, richtet sie den Blick auf die
verschwundene Realität und die verzerrte Wahrnehmung unserer Welt.
Lisa Karnauke – The sky is the limit
Freie Kunst | Medienklasse
In der raumgreifenden Videoinstallation „The sky ist he limit“ wird ein Kinderspiel zum Ausgangspunkt eines
repetitiven Abmühens und Verharrens. Alles ist möglich, gleichzeitig setzt aufgrund ebendieser Möglichkeiten
eine Trägheit ein, aus der im rein repetitiven Modus nicht herausgefunden wird.
Von der Decke hängt an Rundstahlketten eine aus Beton gegossene Schaukel herab, die den Imprint „THE SKY
IS THE LIMIT“ trägt.
Die Installation bricht paradoxal mit den Erwartungen der im Raum befindlichen Spuren: Die schwungvolle
Leichtigkeit und Unbeschwertheit der Schaukel wird durch das Material Beton und ihre einsame Platzierung im
Raum gebrochen. Die Unbekümmertheit des Klatschspiels vor kitschig-wolkigem Himmel wird durch eine
Einseitigkeit des Spiels, die Einsamkeit des Gesangs einer verhallenden Stimme sowie den Inhalt des
gesungenen Textes kontrastiert.
Safeya Fawzy – Die Ankunft
Kommunikationsdesign | Typografie und Buchgestaltung
„Ich werde meine Seele lieben, im Beben ihrer Schatten leben Jahrhunderte, erfüllt von den Farben der
Fantasie.“
Mit diesen Worten beginnt das Gedicht Die Ankunft der irakischen Dichterin Nazik Al-Malaika. Die künstlerische
Arbeit ist eine Annäherung des Gedichts und bewegt sich zwischen Lyrik, Schrift und Selbstliebe. In dieser
experimentellen Auseinandersetzung entfalten sich einzelne Worte durch kalligraphische Übungen – ein
meditativer Prozess des Schreibens, Wiederholens und Verinnerlichens.
Christin Grossmann – Zwischen Nähe und Distanz – Buchgestaltung und szenische Lesung von A. R. Gurneys
Zweipersonenstück Love Letters
Kommunikationsdesign | Typografie und Buchgestaltung
In dem Zweipersonenstück Love Letters von A. R. Gurney prägt der jahrzehntelange Briefwechsel die
Kommunikation zwischen zwei Figuren, die trotz physischer Trennung versuchen eine enge emotionale
Bindung aufzubauen. Das Buch spielt mit den Grenzen zwischen mündlicher und schriftlicher Kommunikation
und verkörpert das Spannungsverhältnis von Nähe und Distanz – sowohl im Drama als auch in der Inszenierung.
Alle sind herzlich zur szenischen Lesung um 19 Uhr im spce eingeladen.
Instagram:
@safeyafawzy
@saskia.falke
@vonstange
@christin__grossmann
@_____rieke
@lisakarnauke
@iamnawon
Ort: spce | Muthesius; Andreas-Gayk-Straße 7-11, 24103 Kiel
Datum: Mittwoch, 12.03.2025 – Sonntag, 16.03.2025
Zeit: Ganztägig