„In meinem Vortrag möchte ich eine Linie ziehen von historischen Begriffen künstlicher Intelligenz, die in der späten Moderne entwickelt wurden hin zu heutigen Strömungen. Ich möchte darstellen, was damalige Hoffnungen der Kybernetik (das war ein angloamerikanischer Diskurs, der etwa in den berühmten Macy-Conferences verhandelt wurde) an die noch zu entwickelnden oder schon bloss in Grundzügen vorhandenen Technologien waren, und welche sich heute haben erfüllen können.
Im Anschluss möchte ich auf zwei, für das Design wesentliche Fragen zu sprechen kommen. Die erste Frage ist: Welche Rolle spielt Design bei der Gestaltung von KI? Dabei gilt es, KI als „gestalterisches Material“ zu verstehen. KI reicht weit in den Designprozess hinein, und es wirkt derzeit so, als ob wir unsere gestalterischen Prämissen verändern müssten, insofern als dass wir vor dem Hintergrund von KI eher Plattformen als konkrete einzelne Produkte gestalten. Es ist zu vermuten, dass wir ein dezidiertes Verständnis des Interfaces brauchen, das Formen der Vermittlung zwischen uns (den Menschen) und den vermeintlich
eigenständigen Alogrithmen schafft.
Die zweite Frage beleuchtet unsere Haltung als Gestalter*innen. Technologien können immer in guter und schlechter Hinsicht verwendet werden. Wir sollten uns überlegen, ob wir anhand von KI ein technisches Panoptikum bauen wollen, oder ob wir diese Technik im Sinne eines progressiven und optimistischen Nutzens in Zusammenarbeit mit uns Menschen denken wollen.
Ich möchte in meinem Vortrag theoretische Positionen von Claus Pias, Felix Stalder und sowie von Donna Haraway verwenden. Schließlich möchte ich Beispielprojekte von LeGrandJaeger, Amazon Echo [„Anatomy on an AI“], Gesche Joost, Gui Bonsiepe, Christopher Alexander und ein angewandtes Designforschungsprojekt einer Muthesius-Studentin erwähnen.
Credit: Dabei gilt es noch zu sagen: Bei meinem letzten Vortrag in Wuhan hatte ich meine Dissertation dargestellt, das war meine ganz individuelle Forschungsperspektive. Aber an unserer Kunsthochschule und in der Stadt Kiel hat sich in den letzten Monaten zu dem Thema KI ein übergreifender Diskurs formiert. Zur Zeit arbeite ich zu dem Thema mit drei Kolleg*innen zusammen, mit dem Interface-Designer Frank Jacob, Christiane Kruse (Kunstgeschichte) und Sandra Schramke (Raumstrategien), sowie unseren Studierenden, sodass ich an dieser Stelle betonen möchte, dass meine Vorstellung an dieser Stelle weniger auf einer einzelnen Forschungsperspektive als auf Kooperation beruht.“
– Prof.in Dr. Annika Frye
Ort: Hubei University of Technology; Nanli Road 28, Wuhan, Wuchang
Datum: Montag, 04.11.2019 – Dienstag, 05.11.2019
Zeit: Ganztägig