Infrastrukturen einer transformativen Ausstellungspraxis Muthesius Kunsthochschule, Kiel
Der Vortrag stellt das einjährige, prozessbasierte Ausstellungsprojekt „Kunst als ökologische Praxis – Situierte Praktiken und translokale Begegnungen zwischen Kunst, Wissenschaft und Alltag“ (2025–26) vor, das am M.1 der Arthur Boskamp-Stiftung in Hohenlockstedt, Schleswig-Holstein realisiert wurde. Ausgehend von der Frage, wie zeitgenössische künstlerische Praktiken und ihre Ausstellungsformate zu einer nachhaltigen Lebensweise beitragen können, zielte das Projekt darauf ab, über ästhetische Darstellungen von „Natur“ oder reine Sensibilisierung für die Klimakrise hinauszugehen und die materiellen und infrastrukturellen Dimensionen kultureller Produktion in den Blick zu nehmen.
Im Zentrum stehen kollaborative Formate und partizipative Situationen, die als Kontaktzone fungieren: Orte der Begegnung, des Austauschs und der Aushandlung zwischen Kunst, lokalem Wissen und wissenschaftlichen Perspektiven. Inspiriert von theoretischen Ansätzen wie Donna Haraways Konzept der NatureCulture oder Anna Tsings Überlegungen zu Koordination und Assemblagen wird Ökologie dabei als ein prozessuales Gefüge verstanden, in dem unterschiedliche Akteur:innen und Wissensformen miteinander in Beziehung treten.
Der Vortrag verbindet diese Perspektive mit infrastrukturellen Überlegungen zu einer erweiterten Ausstellungspraxis. Ausstellung erscheint hier nicht nur als Präsentationsformat, sondern als eine künstlerisch-gestalterische und raumstrategische Praxis, die auf Öffentlichkeit ausgerichtet ist und gesellschaftliche Transformation koordinieren kann. In diesem Sinne rückt die governmentale Dimension der Künste in den Fokus: die Frage, wie künstlerische Praktiken Formen des Zusammenlebens, der Fürsorge und der ökologischen Koordination sichtbar machen und aktiv mitgestalten können.
Dr. Ronald Kolb, PhD, ist Kurator, Forscher, Autor, Herausgeber und Dozent mit Sitz in Stuttgart. Er ist künstlerischer Leiter des M.1 Arthur Boskamp-Stiftung (2025/26) und Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste.
2024 schloss er seine Promotion an der University of Reading ab mit der Dissertation Kuratieren als Regierungspraktiken. Post-exhibitionäre Praktiken unter translokalen Bedingungen in Regierungskonstellationen. Ein zentrales Merkmal seiner Arbeit ist die Choreographie von Ausstellungen und Lernformaten als partizipative Wissensräume. Dies zeigt sich in den von ihm (mit-)organisierten internationalen Veranstaltungen und Ausstellungen, darunter „Learning for Life“, ein Festival- und Workshop-Programm für die Merz Akademie Stuttgart (2018), „Situated Knowledges – Art and Curating on the Move“, ein digitales Event mit Tai Kwun Contemporary, HK, und dem Migros Museum (2021), die Summer School „Commoning Curatorial and Artistic Education“ für die documenta fifteen (2022), der Study Trip “Post-/Exhibitionary Practices: Art and Curating in Expanded Ecological Thought” und das internationale Ausstellungsprojekt “Into the Rhythm”, einer Kooperation mit dem ARKO Art Center, Seoul, das auch an der Gwangju Biennale stattfand.
Ort: Muthesius Kunsthochschule; Legienstraße 35, 24103 Kiel
Datum: Dienstag, 14.04.2026
Zeit: 19:00 – 21:00