Symposium: Jenseits das Paradieses- das Tierbild in alten und neuen Medien

Symposium2019

In der Genesis wird beschrieben wie Adam auf Geheiß Gottes den Tieren ihren Namen gibt. Aus heutiger Perspektive scheint hier ein grausamer Herrschaftsanspruch des Menschen über seine
Mitgeschöpfe sein mythologisches Fundament zu finden. Eine sich kritisch verstehende Wissenschaft versucht dagegen solche Verhältnisse aufzubrechen und anstelle klassisch hierarchischer
Verhältnisse so etwas wie eine Gleichberechtigung, wenigstens ein einfühlsames Miteinander in einem › Parlament der Dinge ‹ zu etablieren.
Es bleibt jedoch das epistemische Paradox, dass jede Rede und jedes Bild des Tieres immer ein menschliches Bild vom Tier ist und wir dieser asymmetrischen Perspektive nicht entfliehen
können. Sollte also die derzeitige Konjunktur posthumanistischer Theorie nichts anderes sein als eine weitere romantische Flucht aus den moralischen Paradoxien eines Lebens in einer entzauberten
Natur? Zu offensichtlich werden hier dieselben utopischen Phantasien beschworen, wie wir sie von den Anfängen des autonomen Tierbildes in den Paradiesbildern bei Roelant Savery oder Jan Breughel kennen. Doch fehlt uns eine solche Naturmythologie und Darwin versperrt uns, gleich einem Erzengel, den Weg zurück in dieses Paradies.

Die Feststellung, dass jedes Bild des Tieres, der Natur, der Wildnis etc. eine kulturelle Konstruktion ist, stellt heute einen Gemeinplatz dar. Die Frage wäre allerdings, ob wir die nötige Arbeit
der Dekonstruktion derselben, welche die Forschung am klassischen Tierbild als Ausweis menschlicher Hegemonie- und Superioritätsansprüche vorgenommen hat, nicht auch an den neoromantischen Gegenbilden eines natürlichen Gleichgewichts, von Tierparadiesen in Afrika oder am Amazonas oder der Tier-Mensch-Gemeinschaft in den posthumanistischen Utopien vornehmen
müssten?

Wenn also ein authentischer ursprünglicher Zugang zur Natur nicht möglich ist, da wir unsere menschliche Perspektive nicht überschreiten können, benötigen wir also eine kulturelle Begründung
der Natur als eines auf den Menschen bezogenen Wertes jenseits bloß funktonaler Kriterien der Ökologie und Ökonomie.
Sich dieser perspektivischen Einschränkung bewusst zu sein, könnte doch zu einem respektvollen Umgang mit anderen Lebewesen als etwas von uns ganz grundsätzlich Unterschiedenen führen.

In diesem Spanungsfeld steht jedenfalls jedes Tierbild zwischen Renaissancegemälde und zeitgenössischer Filmdokumentation.
Dabei fragt das Symposion gleichermaßen nach dem wissenschaftlichen Tierbild als Form der Wissenschaftsillustration und heute des Wissensdesigns einerseits, und nach dem Interesse der Kunst und insbesondere der zeitgenössischen Kunst am Tier andererseits. Und weshalb geriet die wissenschaftliche Repräsentation des Tieres, nachdem sie in der Renaissance etwa im Werk Dürers im Fokus künstlerischer Aufmerksamkeit stand, spätestens seit dem 18. Jahrhundert außerhalb des ästhetischen Interesses? Ausnahmen wie das bezaubernde Werk von Maria Sibylla Merian bestätigen dies eher und die Bilder des Tieres in Romantik und klassischer Avantgarde positionierten sich eher als Gegensatz zur entzauberten Empirie zoologischer Bildproduktion.
Kann eine solch einfache Opposition heute noch Bestand haben oder wo läge das Potenzial des Tierbildes in der Kunst als Form der Annäherung an das Tier jenseits eines naiven Anthropomorphismus?

Jedenfalls sind wir, wie Adam, gefordert den Tieren immer wieder neue Namen zu geben, denn aus der Perspektive des Menschen ist das Schicksal der Natur als jener schöne blaue Planet ganz in
unsere Hände gelegt. Natürlich wird der Homo sapiens die Erde nicht wirklich zerstören können, aber sicherlich seine eigenen Lebensgrundlagen in eben dieser Natur und gewissermaßen en
passant, die einer ganzen Reihe von Mitgeschöpfen. Tierbilder sind insofern heute immer auch politische Bilder.

Das Symposion fragt nach den ästhetischen Konzepten der Darstellung des Tieres in Geschichte und Gegenwart im Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft, zwischen traditionellen Bildformen und modernen Medien. Inwiefern kann das epistemische Paradox einer Beschreibung des Tieres aus einer notwendig immer menschlichen Perspektive, ästhetisch aufgehoben oder wenigstens
thematisiert werden?

13. – 15. Juni 2019 im Kesselhaus der Muthesius Kunsthochschule

Ein Symposion des Forums für Interdisziplinäre Studien der Muthesius Kunsthochschule

 

11.06.2019 ,

Im Fokus

Im Fokus

Übergeordnetes Ziel der Muthesius Kunsthochschule in Kiel ist es, durch künstlerisch-gestalterische Entwicklungs- und Forschungsvorhaben als Kristallisationspunkt für Arbeiten und geistige Auseinandersetzungen auf den Gebieten der Kunst, der Raumkonzeption und des Design zu wirken. Die Muthesius Kunsthochschule in Kiel als einzige Kunsthochschule des Landes Schleswig-Holstein ist nicht nur ein Ort der Ermöglichung kulturell relevant werdender Biografien, sondern mit ihrem Projektstudium auch ein Ort besonderer Experimente und Realisierungen.
 Die Profile der Masterstudiengänge stellen teilweise in der Bundesrepublik einzigartige Studienangebote und Entwicklungsmöglichkeiten für Studierende dar.

„Im Zentrum der Muthesius Kunsthochschule steht die Kunst, das Künstlerische und das Gestalterische, das Schaffende und die Produktivität. Um diese Mitte bewegt sich auch das grundsätzliche Verhältnis von Theorie und Praxis. Dieses Wechselverhältnis ist ein permanenter Prozess, eine kreisende Bewegung um das von Kunst und Design ausgehaltene Zentrum. Es ist Freiraum nötig, um sich zu bewegen. Deshalb ist die erste Bedingung für Kunst und Design an unserer Hochschule Freiheit! Zum Studium an der Muthesius Kunsthochschule gehört der Wille, diese Freiheit zu nutzen, um zu einer ebenso kreativen wie produktiven Persönlichkeit heranzureifen. So können wir unseren Studierenden persönliche Biografien ermöglichen“, verspricht Präsident Dr. Arne Zerbst.

Rund 580 Studienplätze verteilen sich zur Zeit auf die Studiengänge Freie Kunst, Freie Kunst Lehramt Gymnasium, Raumstrategien, Kommunikationsdesign und Industriedesign.

FORSCHUNG UND PROJEKTE

Die Ausbildung an der Muthesius Kunsthochschule ist projektorientiert. Studierende werden frühzeitig ermutigt, Erfahrungen mit realen Auftraggebern zu machen. Mit dem Projektbüro, dem Raum der Publikation und dem Zentrum für Medien wurden  interdisziplinär arbeitende Einrichtungen geschaffen, die den Studierenden dabei helfen, ihre Projekte erfolgreich zu realisieren.
Durch die Teilnahme an Exzellenzclustern zählt die Muthesius Kunsthochschule zu jenen international sichtbaren und wettbewerbsfähigen Forschungseinrichtungen, die dazu beitragen, den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken. Zahlreiche Kooperationspartner auf lokaler, nationaler wie internationaler Ebene schätzen an der Muthesius Kunsthochschule ihre interdisziplinäre Kursstruktur sowie das persönliche Klima mit Semesterstärken von maximal 20 Studierenden – eine hervorragende Basis für Diskurse mit Innovationspotential.

INTERNATIONALITÄT

Studierende und Lehrende setzen sich jedes Semester im Rahmen interdisziplinärer Workshop-Wochen und hochschulintern organisierter, öffentlicher Symposien mit nationalen und internationalen Positionen in Kunst und Design auseinander. Internationale Dozenten sind stets Bestandteil dieser Pflichtveranstaltungen. Aus über 30 Ländern der Welt kommen junge Menschen in Kiel zum Kunst- und Designstudium zusammen. Ihr Anteil an der Studierendenschaft beträgt 14 Prozent, Tendenz steigend. Damit liegt die Muthesius Kunsthochschule weit über dem Bundesdurchschnitt.

WEBLOGS DER LEHRGEBIETE

Um die Vielfalt der Muthesius Kunsthochschule darstellbar zu machen, gibt es neben den »offiziellen« Informationsseiten (die farbige Hälfte dieser Webseite) über 30 Weblogs (die weiße Hälfte dieser Webseite), die von den einzelnen Lehrgebieten selbst gepflegt aktualisiert  werden.

Für ganz Eilige haben wir hier eine kurze Bookmarkliste zusammengestellt:
Das digitale Vorlesungsverzeichnis
Who is who an der Muthesius
-Personenverzeichnis
Medienformationen für die Presse
Die Termine der Mappenberatung

Bibliothek (Katalog und Öffnungszeiten)

Wintersemester 2018/19
Semesterbeginn: 01.10.18
Semesterende: 31.03.19
Vorlesungsbeginn: 15.10.18
Vorlesungsende: 18.02.19

Unterrichtsfrei: 21.12.18 – 04.01.19

Sommersemester 2019
Semesterbeginn: 01.04.19
Semesterende: 30.09.19
Vorlesungsbeginn: 01.04.19
Vorlesungsende: 12.07.19

Wintersemester 2019/20
Semesterbeginn: 01.10.19
Semesterende: 31.03.20
Vorlesungsbeginn: 14.10.19
Vorlesungsende: 17.02.20

Unterrichtsfrei: 23.12.19 – 06.01.20

Sommersemester 2020
Semesterbeginn: 01.04.20
Semesterende: 30.09.20
Vorlesungsbeginn: 06.04.20
Vorlesungsende: 17.07.20

Wintersemester 2020/21
Semesterbeginn: 01.10.2020
Semesterende: 31.03.2021
Vorlesungsbeginn: 19.10.2020
Vorlesungsende: 26.02.2021

Unterrichtsfrei: 23.12.2020 – 01.01.2021

Sommersemester 2021
Semesterbeginn: 01.04.2021
Semesterende: 30.09.2021
Vorlesungsbeginn: 06.04.2021
Vorlesungsende: 09.07.2021

Wintersemester 2021/22
Semesterbeginn: 01.10.2021
Semesterende: 31.03.2021
Vorlesungsbeginn: 18.10.2021
Vorlesungsende: 22.02.2022

Unterrichtsfrei: 23.12.2021 – 07.01.2022

Sommersemester 2022
Semesterbeginn: 01.04.2022
Semesterende: 30.09.2022
Vorlesungsbeginn: 04.04.2022
Vorlesungsende: 15.07.2022

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Die Muthesius Kunsthochschule tritt entschieden für die Anerkennung und Akzeptanz jeglicher Identitätskonzepte (LGBTIQ*) jenseits von binärer Geschlechterordnung und Heterosexualität ein.
(Bitte informieren Sie sich über die Gleichstellungsarbeit auf der Website der Gleichstellungskommission: E-Mail: gleichstellungskommission@muthesius.de.)


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