Mit großer künstlerischer Bandbreite besticht die Ausstellung der Atelierstipendiat*innen im Atelierhaus im Anscharpark: Dort zeigen Melina Bigale, Maximilian Flachsenberg, Laura Meggers, Helena Sachs, Sander Schaper, Naiwei Tian, Tom Scheffer und Hyojung Yun ab Freitag, 28. August, um 16.30 Uhr, was sie in der Zeit ihres Stipendiums künstlerisch erarbeitet haben. Zu sehen ist die Ausstellung bis Sonntag, 20. September.
Das Atelierstipendium der Muthesius Kunsthochschule hilft beim Start in die Selbständigkeit: Für zwei Jahre können ausgewählte Absolvent*innen der Kunsthochschule Atelierräume im Kieler Anscharpark nutzen, um dort im kreativen Umfeld an ihren Projekten zu arbeiten. Seit 2016 bietet die Kunsthochschule ihren Absolvent*innen diese Möglichkeit an. In einer gemeinsamen Ausstellung gewähren die Atelierstipendiat*innen nun einen Einblick in ihr Schaffen.
Betreten erwünscht: Hyojung Yun zeigt vergängliche Porzellanarbeit
An der Ausstellung beteiligt sind Melina Bigale, Maximilian Flachsenberg, Laura Meggers, Helena Sachs, Sander Schaper, Naiwei Tian, Tom Scheffer und Hyojung Yun – mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Während Hyojung Yun sich für ihren begehbaren „Sensitive Ground“ aus Porzellan mit Porzellan in verschiedenen Zuständen und dem Thema der Sensibilität beschäftigt, zeigt ihre skulpturale Arbeit „Material Evidence: Beyond Surface“ eine selbst entwickelte Seladonglasur. „Ich mag an Porzellan, dass es ein sehr feines Material ist, das sich nicht kontrollieren lässt“, sagt die Absolventin der Keramikklasse im Studiengang Freie Kunst.
Illustrationen über Selbstbild und mentale Gesundheit
Einfühlsam geht es im Ausstellungsraum weiter: Laura Meggers ist Illustratorin und Gestalterin, die Kommunikationsdesign bei Prof. Markus Huber studiert hat. In ihrem Bildzyklus widmet sie sich thematisch der mentalen Gesundheit – da ist ein Frauenkopf, dem ein Pinnwand-Pin den Mund versperrt, und eine Figur, die sich lieber in einem krabbelnden Fisch verbirgt. Aus Gouache und Acryl entstanden sind die Bilder, die die Illustratorin digital farblich angepasst hat.
Installationen aus gefundenen Objekten
Maximilian Flachsenberg hat in der Bildhauereiklasse im Studiengang Freie Kunst studiert. In seinen Installationen und Druckgrafiken kreist er um die kleinen und großen Abschiede des Alltags. Gefundene Objekte kombiniert er mit bildhauerischen Arbeiten, die an Tiere erinnern, aber aus Abdrücken des menschlichen Körpers entstanden sind. Wie ein neugieriger Schwanenkopf blickt sein geschwungener Arm mit dem Titel „Turndown Service“ von der Wand des Ausstellungsraumes.
Fantastische Malerei und eine Social-Media-Kritik
Tom Scheffer widmet sich der Malerei. Die Motive seiner aus Mischtechnik gemalten Bilder entstammen seiner Fantasie und enthalten Szenerien, die an Traumsequenzen erinnern, wie in dem Bild „Lagune IV“. Eine große Rolle spielen in seinen Arbeiten auch Schafe, denen er sein mehrstrophiges „Schafsgedicht“ widmet.
„Warum der Kunstmarkt nicht auf LinkedIn sollte“ nennt Sander Schaper seine Medienkritik auf sechs Roll-Ups. „Kernthema meiner Arbeiten ist Selbstdarstellung und Selbstinszenierung, was ich bislang im Medium Film verarbeitet habe“, sagt der Absolvent der Filmklasse. Weil er nach seinem Masterabschluss in einer Agentur gearbeitet und sich mit Social-Media-Arbeit bei LinkedIn beschäftigt hat, war es sein Anliegen, erfolgreiche Posts zu analysieren, um sich selbst einmal ins Terrain der „Anzugträgerebene“ zu begeben: Dort angelangt, produziert er mit provokanten Texten und ironischen Portraits fiktive Inhalte seines Alter Egos. „Ich hasse schon Instagram, die Berufswelt auf LinkedIn finde ich noch schlimmer“, sagt er – und sorgt für unterhaltsame Beiträge.
Ein Readymade im Pappkarton
Eine Zeitreise unternimmt Naiwei Tian in seiner Installation „Linden blüht“, die mit Fotografien aus dem Herbst 2008 zum Spaziergang durch Hannovers Stadtteil einlädt. Zu sehen sind Bäckereien, Cafés, Elektroläden, Imbisse und Teeläden, die Naiwei Tian beim Straßenbummel begegnet sind. Er setzt dem Flanieren und dem Schaufensterbummel, einem Ritual, das es in der Kultur seiner Heimat nicht gibt, damit ein Denkmal. „Meine Motivation war es, die Atmosphäre und das Leben auf der Straße einzufangen“, sagt er.
Um „die Natur, die die Menschen immer zu kontrollieren versuchen“ geht es Melina und Leandra Bigale. Die Schwestern, die beide Bildhauerei studiert haben, stellen im entkernten Kesselhaus im Anscharpark einen riesigen Pappkarton auf, in dem ein Ahornbaum wächst. An einer Säule lehnen eine Schaufel und ein Spaten. „Wir wollten eine Arbeit zwischen Neubeginn und Auflösung schaffen. Dazu passt Pappe als Zwischenzustands-Material ganz hervorragend“, sagt Melina. „Wir alle kennen das Material von Paketsendungen, es bleibt nie lange und immer ist etwas darin verborgen.“
Im Nachbarraum lässt ein Projektor Bilder runder Objekte auf transparente Vorhänge flackern. Helena Sachs befestigt Gaze-Bahnen an den Wänden. „Zu sehen sind Schneeklumpen, wie sie ein Räumfahrzeug in Innsbruck hinterlassen hat. Außerdem Felsbrocken, die mit Moos bewachsen sind – alle Objekte strotzen vor Festigkeit, die scheinbar ist, aber veränderlich.“
Bewerbungsfrist für Atelierräume endet am 30. September
Noch bis Dezember nutzen die acht Stipendiat*innen die Ateliers im Anscharpark – danach stehen die Räume wieder frei: Von Januar 2027 an bis Dezember 2028 werden neue Stipendiat*innen in den Atelierräumen arbeiten können. Die Bewerbungsfrist dafür ist der 30. September 2026. Hier gibt es weitere Informationen zum Atelierstipendium.
- Die Ausstellung der Atelierstipendiat*innen wird am Freitag, 28. August, um 16.30 Uhr im Kunstverein Haus 8, Atelierhaus im Anscharpark, Heiligendammer Straße 15 in Kiel, eröffnet und ist auch während der Museumsnacht am selben Abend erlebbar. Sie ist zu sehen bis zum 20. September: freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr, sonntags von 13 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.