Symposion: Angst und Freiheit

Interdisziplinäres Symposion des Forums/IKDM der Muthesius Kunsthochschule, Kiel, konzipiert von Christine Blättler und Petra Maria Meyer

Künste und Philosophie unterhalten beide eine besondere Beziehung zur Angst wie zur Freiheit. Seit der griechischen Antike wird Furcht ins Schreckensbild gesetzt zum Scheucher und Verscheucher, und die antike Tragödie sucht nach Aristoteles den Schrecken auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Die Philosophie hat ihr Selbstverständnis immer wieder darüber gewonnen, Menschen ihre Angst zu nehmen, sei dies vor Göttern, die sie von ihrem Thron stürzt, vor politischen Machthabern, denen sich das Denken widersetzt, oder der großen Unsicherheit, die eine vernünftige Ordnung zu bewältigen sucht. Es gibt Versuche, eine objektlose und diffuse Angst von einer objektbezogenen und konkreten Furcht zu unterscheiden; diese Unterscheidung problematisiert jedoch nicht erst die Massenpsychologie, wenn sie beobachtet, wie sich Angst in Furcht transformieren lässt, indem ein Feindbild generiert wird. Derart werden politisch Ängste wie aktuell vor Überfremdung geschürt und zugleich kanalisiert.

Symptomatologische Sondierungen versprechen einen Erkenntnisgewinn: Ängste lassen sich daraufhin befragen, welche realen Gefahren sie signalisieren, welche Angstbilder sie inszenieren, und welche Probleme sie darüber verhandeln. Über eine Individualpathologie hinaus nimmt diese Herangehensweise kollektive Ängste in den Blick, wie sie angesichts diverser Macht- und Herrschaftsformen auftreten, und erweist so ihr zeitdiagnostisches Potential. Sie vermag es aber auch, einen überraschenden Nexus zu erschließen, wenn sie über das Verhältnis von Angst und Freiheit nachdenkt.

Obgleich sich zunächst die Vermutung aufdrängt, dass Angst als risikovermeidender Impuls Freiheit einschränkt, ist das Verhältnis komplexer. So sind es philosophische Einsätze wie von Søren Kierkegaard oder Hans Blumenberg, die in der Unbestimmtheit der Angst eine Möglichkeit der Freiheit ausmachen. Angst wird entsprechend nicht einfach negativ gezeichnet, vielmehr auch positiv als eine Bedingung gefasst, um Welt gestalten zu können. Dabei ist es nicht leicht zu bestimmen, wo eine Befreiung von Zwängen endet und Freiheit im positiven Sinne freier Lebens- und Wirklichkeitsgestaltung beginnt. Diese Freiheit ist von historisch sich wandelnden Bedingungen ebenso wenig zu trennen wie die Einschätzung der Willensfreiheit, die mal als menschliche Grundausstattung, mal als Illusion eines „Neuronenbündels“ angesehen wird.

Über Angst und Freiheit stellt sich hier erneut die Frage nach dem Subjekt. Das Nachdenken darüber orientiert sich gerade nicht einseitig an einem Verständnis von Subjekt, das sich und die Welt vernünftig, selbstbestimmt und aktiv beherrscht. Vielmehr ist die Erfahrung vieler Menschen zu berücksichtigen, angesichts historischer, ökonomischer und technologischer Eigendynamiken keineswegs im Zentrum des Geschehens zu stehen. Menschen sind hier mit einer nicht machbaren Realität konfrontiert, die ängstigt. Über den Weg der Angst lassen sich vom Subjekt Unkontrollierbares und Unverstandenes, ihm Unbewusstes avisieren und Spannungen in seinem Selbstverständnis bedenken. Diese Herangehensweise verabschiedet keineswegs die Rede von einem Subjekt, sondern geht der Frage nach, wie sich eine Neukonzeption des Subjekts im Wechselspiel von Angst und Freiheit formulieren ließe.

In unserem Zusammenhang stellen sich insbesondere die folgenden Fragen: Welche künstlerischen Strategien der Umgangsweise mit Angst werden in den Künsten verfolgt? Fungieren Sie als Anästhetikum, oder lässt sich im künstlerischen Umgang mit einer „Politik der Angst“ eine Gegenkraft zur machtstrategischen Instrumentalisierung finden? Für diese Fragen versprechen die Künste besonders aufschlussreich zu sein, da sie ihre eigenen Formen der Wahrnehmung sowie eine besondere Befähigung zur Wahrnehmungsbewusstwerdung aufweisen.

Die interdisziplinäre Zusammenkunft geht der Frage nach, in welcher Weise Angst heute Lebenswelt, Politik und Theorie formiert und inwiefern sie ein Potential der Freiheit aufweist, das Spielräume für kulturelle Formen und damit auch für künstlerisches Gestalten und Handeln eröffnet.

Folgende Vortragende haben zugesagt:

Prof. em. Dr. Emil Angehrn, Prof. em. Dr. Hartmut Böhme, Zora del Buono, Gernot Grünewald, Prof. em. Dr. Rudolf Heinz, PD Dr. Christiane Tewinkel,  Prof. Gustav Kluge, Prof. Dr. Christiane Kruse, Prof. Dr. Marion Picker, Heidi Sill, Armin Smailovic, Dr. Klaus Theweleit, Prof. Dr. Anna Tuschling, Prof.Dr. Christiane Voss, Dr. Arne Zerbst.

PROGRAMM ZUM DOWNLOADEN


Ort: Kesselhaus; Legienstraße 35, 24103 Kiel
Datum: Donnerstag, 28.06.2018 – Samstag, 30.06.2018
Zeit: Ganztägig
28.06.2018 ,

Im Fokus

Im Fokus

Übergeordnetes Ziel der Muthesius Kunsthochschule in Kiel ist es, durch künstlerisch-gestalterische Entwicklungs- und Forschungsvorhaben als Kristallisationspunkt für Arbeiten und geistige Auseinandersetzungen auf den Gebieten der Kunst, der Raumkonzeption und des Design zu wirken. Die Muthesius Kunsthochschule in Kiel als einzige Kunsthochschule des Landes Schleswig-Holstein ist nicht nur ein Ort der Ermöglichung kulturell relevant werdender Biografien, sondern mit ihrem Projektstudium auch ein Ort besonderer Experimente und Realisierungen.
 Die Profile der Masterstudiengänge stellen teilweise in der Bundesrepublik einzigartige Studienangebote und Entwicklungsmöglichkeiten für Studierende dar.

„Im Zentrum der Muthesius Kunsthochschule steht die Kunst, das Künstlerische und das Gestalterische, das Schaffende und die Produktivität. Um diese Mitte bewegt sich auch das grundsätzliche Verhältnis von Theorie und Praxis. Dieses Wechselverhältnis ist ein permanenter Prozess, eine kreisende Bewegung um das von Kunst und Design ausgehaltene Zentrum. Es ist Freiraum nötig, um sich zu bewegen. Deshalb ist die erste Bedingung für Kunst und Design an unserer Hochschule Freiheit! Zum Studium an der Muthesius Kunsthochschule gehört der Wille, diese Freiheit zu nutzen, um zu einer ebenso kreativen wie produktiven Persönlichkeit heranzureifen. So können wir unseren Studierenden persönliche Biografien ermöglichen“, verspricht Präsident Dr. Arne Zerbst.

Rund 580 Studienplätze verteilen sich zur Zeit auf die Studiengänge Freie Kunst, Freie Kunst Lehramt Gymnasium, Raumstrategien, Kommunikationsdesign und Industriedesign.

FORSCHUNG UND PROJEKTE

Die Ausbildung an der Muthesius Kunsthochschule ist projektorientiert. Studierende werden frühzeitig ermutigt, Erfahrungen mit realen Auftraggebern zu machen. Mit dem Projektbüro, dem Raum der Publikation und dem Zentrum für Medien wurden  interdisziplinär arbeitende Einrichtungen geschaffen, die den Studierenden dabei helfen, ihre Projekte erfolgreich zu realisieren.
Durch die Teilnahme an Exzellenzclustern zählt die Muthesius Kunsthochschule zu jenen international sichtbaren und wettbewerbsfähigen Forschungseinrichtungen, die dazu beitragen, den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken. Zahlreiche Kooperationspartner auf lokaler, nationaler wie internationaler Ebene schätzen an der Muthesius Kunsthochschule ihre interdisziplinäre Kursstruktur sowie das persönliche Klima mit Semesterstärken von maximal 20 Studierenden – eine hervorragende Basis für Diskurse mit Innovationspotential.

INTERNATIONALITÄT

Studierende und Lehrende setzen sich jedes Semester im Rahmen interdisziplinärer Workshop-Wochen und hochschulintern organisierter, öffentlicher Symposien mit nationalen und internationalen Positionen in Kunst und Design auseinander. Internationale Dozenten sind stets Bestandteil dieser Pflichtveranstaltungen. Aus über 30 Ländern der Welt kommen junge Menschen in Kiel zum Kunst- und Designstudium zusammen. Ihr Anteil an der Studierendenschaft beträgt 14 Prozent, Tendenz steigend. Damit liegt die Muthesius Kunsthochschule weit über dem Bundesdurchschnitt.

WEBLOGS DER LEHRGEBIETE

Um die Vielfalt der Muthesius Kunsthochschule darstellbar zu machen, gibt es neben den »offiziellen« Informationsseiten (die farbige Hälfte dieser Webseite) über 30 Weblogs (die weiße Hälfte dieser Webseite), die von den einzelnen Lehrgebieten selbst gepflegt aktualisiert  werden.

Für ganz Eilige haben wir hier eine kurze Bookmarkliste zusammengestellt:
Das digitale Vorlesungsverzeichnis
Who is who an der Muthesius
-Personenverzeichnis
Medienformationen für die Presse
Die Termine der Mappenberatung

Bibliothek (Katalog und Öffnungszeiten)

Wintersemester 2018/19
Semesterbeginn: 01.10.18
Semesterende: 31.03.19
Vorlesungsbeginn: 15.10.18
Vorlesungsende: 18.02.19

Unterrichtsfrei: 21.12.18 – 04.01.19

Sommersemester 2019
Semesterbeginn: 01.04.19
Semesterende: 30.09.19
Vorlesungsbeginn: 01.04.19
Vorlesungsende: 12.07.19

Wintersemester 2019/20
Semesterbeginn: 01.10.19
Semesterende: 31.03.20
Vorlesungsbeginn: 14.10.19
Vorlesungsende: 17.02.20

Unterrichtsfrei: 23.12.19 – 06.01.20

Sommersemester 2020
Semesterbeginn: 01.04.20
Semesterende: 30.09.20
Vorlesungsbeginn: 06.04.20
Vorlesungsende: 17.07.20

*********************************

Die Muthesius Kunsthochschule tritt entschieden für die Anerkennung und Akzeptanz jeglicher Identitätskonzepte (LGBTIQ*) jenseits von binärer Geschlechterordnung und Heterosexualität ein.
(Bitte informieren Sie sich über die Gleichstellungsarbeit auf der Website der Gleichstellungskommission: E-Mail: gleichstellungskommission@muthesius.de.)


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen