The Master’s House

Beteiligte Künstler*innen:
Lina Akrami, Reza Arabgari, Amin Azizov, Elsa Blöbaum, Siri Dahlhaus, Johannes Eggers, Xenia Fourmanov, Atefeh Ghaseminia, Sacha Ghilardi, Marwin León Szmula González, Nina Hartmann, Ida Hanne Helgetveit, Linn Johanna Johannsen, Friederike Kluckert, Lena Krüger, Lara Meise, Jo Anneke Mückel, Johanna Petersen, Fjonna Ramin, John Rautenberg, Malin Sauermann, Freya Stoermer, Phivos Theodoutos, Arne-Niklas Volk, Dorothee Eleonore Wenzel.

Kuratiert von Dr. Almut Hüfler

Sechsundzwanzig Studierende der Muthesius-Kunsthochschule aus den Klassen Interdisziplinäre Praxis von Almut Linde und der Medienklasse von Andreas Greiner sind zu Gast in
Berlin und gehen in der Gruppenausstellung The Master!s House den subtilen Mechanismen struktureller bzw. systemischer Gewalt nach (Johan Galtung und Slavoj Zižek).
„The master’s tools will never dismantle the master’s House“, schrieb Audre Lorde 1979 in einem kurzen Nachtrag zu einer feministischen Konferenz in New York. Sie machte damit
auf die existenzielle Gefahr aufmerksam, die in den wohlmeinenden Haltungen weißer wohlhabender Feministinnen lauerte, die trotz ihres Engagements für die Gleichstellung von
Frauen als privilegierte Mitglieder des herrschenden patriarchalen Systems von der Ausbeutung wirtschaftlich armer, schwarzer Frauen als Putzfrauen, Nannys und Hausbediensteter
profitierten. Lordes Zitat erlangte Berühmtheit und wurde in der Folge zur Initialzündung des intersektionalen Feminismus, der deutlich macht, dass sich unterschiedliche Diskriminierungsformen verschränken und gegenseitig verstärken, dass Privilegien oft nicht genug reflektiert werden und sich Lebensrealitäten unterschiedlicher Hintergründe grundlegend
unterscheiden. Lorde lenkte mit ihrem Einspruch das Bewusstsein auf strukturelle Ausschlussmechanismen, die von denjenigen, die davon profitieren, ausgeblendet werden, weil sie nicht bereit sind, auf die damit verbundenen Vorteile zu verzichten.

Mit dem Bild des Hauses adaptiert der Titel der Ausstellung Audre Lordes Formulierung für eine allgemeine, übergeordnete, meist unsichtbare und nicht mehr hinterfragte Struktur, in der bestimmte alltägliche Mechanismen als Werkzeuge der Mächtigen die gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmen. Aus der Perspektive des Friedensforschers Johan Galtung wirken diese Mechanismen, mit denen „Menschen so beeinflusst werden, dass ihre aktuelle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung“
(Johan Galtung: Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung (1). Hamburg 1975) gesellschaftlich bereits als Vorstufen zu physischer Gewalt – und Krieg.
The Master!s House macht diese normalisierten und verdeckten Formen von Gewalt in der Gegenwart sichtbar – und fragt implizit auch nach möglichen Gegenstrategien.

Auf zwei Geschossen und in einem von wild wachsenden Stadtpflanzen begrünten Hof thematisieren die Studierenden in ihren Arbeiten unterschiedliche Aspekte und graduelle
Ausprägungen struktureller Ausschluss- und Gewaltverhältnisse.
Die Ausstellung ist in Kapitel geclustert, die das aufgreifen, was die Studierenden aktuell beschäftigt. Dabei geht es um geschlechterbezogene Herrschaftsverhältnisse, psychische Gewalt in Beziehungen und beim Online-Dating, um strukturelle Verhinderungsstrategien im Zusammenhang mit Flucht und Migration, um Erfahrungen von Mädchen im Flüchtlingslager, um Willkürlichkeit von nationalen Grenzziehungen, den Pass als existenzentscheidenden Faktor und die historische Ambivalenz des deutschen Heimat-Begriffs. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Beschäftigung mit Klassendistinktionen, der Bürokratie als Entmündigungssystem, Niedriglohnarbeit, Paradoxien von Stigmatisierung und Unsichtbarkeit sowie der kapitalistischen Verwertung von Care-Arbeit und schließlich auch auf dem transaktionalen Umgang mit der Natur.

Die Studierenden übersetzen diese Phänomene mit Malerei, Skulptur, Video, Fotografie, Installation und Performance in begehbare Erfahrungsräume – und lassen für Momente ihre Normalität aufbrechen. In den so entstehenden „Rissen“ („\cracks\“, Bayo Akomolafe) wird dann ex negativo spürbar, wie es auch anders sein könnte: „Sie sind keine ‚Lösungen‘, keine Garantien, keine endgültigen Antworten. Aber etwas an ‚ihnen’ kennzeichnet Spannungen, welche die alten Strukturen infrage stellen, und verweist indirekt auf die Möglichkeit neuer Realitäten.“ (On Doors and \cracks\. Doors behave. May 16, 2024, Übersetzung: AH).

Daten und Programm:
Eröffnung: Freitag, 04.09.2026 – 18:00 – 21:00 Uhr
Einführung mit Kuratorin und Künstler*innen: 19:00
Performance von Lara Meise: 19:30
BerlinArtWeek: Mittwoch. 09. 09., 2026, 17:00 Uhr tbc:
Rundgang mit den Professor*innen Andreas Greiner und Dr. Almut Linde
Finissage Samstag, 19.09.2026
14:30 Uhr: Führung mit Prof. Dr. Almut Linde und Dr. Almut Hüfler
16:00 Uhr: Artist Talk mit Studierenden:
[Strukturelle Gewalt und die Rolle der Kunst], mit N.N. (angefragt: Prof.
Dr. Sven Chojnacki, FU Berlin)
17:00-20:00 Uhr: Finissage/ Party
Location frontviews im HAUNT Kluckstraße 23 A Yard 10785 Berlin Germany

Text: Almut Hüfler


Ort: frontviews im HAUNT; Kluckstraße 23 A Yard, 10785 Berlin
Datum: Freitag, 04.09.2026 – Samstag, 19.09.2026
Zeit: 00:00 – 00:00
03.09.2026

Im Fokus

Im Fokus

Übergeordnetes Ziel der Muthesius Kunsthochschule in Kiel ist es, durch künstlerisch-gestalterische Entwicklungs- und Forschungsvorhaben als Kristallisationspunkt für Arbeiten und geistige Auseinandersetzungen auf den Gebieten der Kunst, der Raumkonzeption und des Designs zu wirken. Die Muthesius Kunsthochschule in Kiel als einzige Kunsthochschule des Landes Schleswig-Holstein ist nicht nur ein Ort der Ermöglichung kulturell relevant werdender Biografien, sondern mit ihrem Projektstudium auch ein Ort besonderer Experimente und Realisierungen.
 Die Profile der Masterstudiengänge stellen teilweise in der Bundesrepublik einzigartige Studienangebote und Entwicklungsmöglichkeiten für Studierende dar.

„Im Zentrum der Muthesius Kunsthochschule steht die Kunst, das Künstlerische und das Gestalterische, das Schaffende und die Produktivität. Um diese Mitte bewegt sich auch das grundsätzliche Verhältnis von Theorie und Praxis. Dieses Wechselverhältnis ist ein permanenter Prozess, eine kreisende Bewegung um das von Kunst und Design ausgehaltene Zentrum. Es ist Freiraum nötig, um sich zu bewegen. Deshalb ist die erste Bedingung für Kunst und Design an unserer Hochschule Freiheit! Zum Studium an der Muthesius Kunsthochschule gehört der Wille, diese Freiheit zu nutzen, um zu einer ebenso kreativen wie produktiven Persönlichkeit heranzureifen. So können wir unseren Studierenden persönliche Biografien ermöglichen“, verspricht Präsident Dr. Arne Zerbst.

Rund 630 Studienplätze verteilen sich zurzeit auf die Studiengänge Freie Kunst, Kunst Lehramt an Gymnasien, Szenografie/Interior Design/Raumstrategien, Kommunikationsdesign und Industriedesign.

FORSCHUNG UND PROJEKTE

Das Studium an der Muthesius Kunsthochschule ist projektorientiert. Studierende werden frühzeitig ermutigt, Erfahrungen mit realen Auftraggebern zu machen. Mit dem Zentrum für Medien wurde eine  interdisziplinär arbeitende Einrichtung geschaffen, die den Studierenden dabei helfen, ihre Projekte erfolgreich zu realisieren.
Durch die Teilnahme an Exzellenzclustern zählt die Muthesius Kunsthochschule zu jenen international sichtbaren und wettbewerbsfähigen Forschungseinrichtungen, die dazu beitragen, den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken. Zahlreiche Kooperationspartner auf lokaler, nationaler wie internationaler Ebene schätzen an der Muthesius Kunsthochschule ihre interdisziplinäre Kursstruktur sowie das persönliche Klima mit Semesterstärken von maximal 20 Studierenden – eine hervorragende Basis für Diskurse mit Innovationspotential.

INTERNATIONALITÄT

Studierende und Lehrende setzen sich jedes Semester im Rahmen interdisziplinärer Workshop-Wochen und hochschulintern organisierter, öffentlicher Symposien mit nationalen und internationalen Positionen in Kunst und Design auseinander. Internationale Dozenten sind stets Bestandteil dieser Pflichtveranstaltungen. Aus über 30 Ländern der Welt kommen junge Menschen in Kiel zum Kunst- und Designstudium zusammen. Ihr Anteil an der Studierendenschaft beträgt 14 Prozent, Tendenz steigend. Damit liegt die Muthesius Kunsthochschule weit über dem Bundesdurchschnitt.

WEBLOGS DER LEHRGEBIETE

Um die Vielfalt der Muthesius Kunsthochschule darstellbar zu machen, gibt es neben den »offiziellen« Informationsseiten (die farbige Hälfte dieser Webseite) über 40 Weblogs (die weiße Hälfte dieser Webseite), die von den einzelnen Lehrgebieten selbst gepflegt aktualisiert werden.

Für ganz Eilige haben wir hier eine kurze Bookmarkliste zusammengestellt:
Das digitale Vorlesungsverzeichnis
Who is who an der Muthesius
-Personenverzeichnis
Medienformationen für die Presse
Die Termine der Mappenberatung

Bibliothek (Katalog und Öffnungszeiten)

 

SEMESTERZEITEN

Sommersemester 2026
Semesterzeitraum: 01.04.2026 – 30.09.2026
Vorlesungszeit: 07.04.2026 – 24.07.2026

Wintersemester 2026/2027
Semesterzeitraum: 01.10.2026- 31.03.2027
Vorlesungszeit: 19.10.2026 – 19.02.2027
Vorlesungsfrei: 21.12.2026 – 03.01.2027

Sommersemester 2027
Semesterzeitraum: 01.04.2027- 30.09.2027
Vorlesungszeit: 05.04.2027 – 23.07.2027

Wintersemester 2027/2028
Semesterzeitraum: 01.10.2027 – 31.03.2028
Vorlesungszeit: 18.10.2027 – 18.02.2028
Vorlesungsfrei: 20.12.2027 – 02.01.2028

 

*********************************

Die Muthesius Kunsthochschule tritt entschieden für die Anerkennung und Akzeptanz jeglicher Identitätskonzepte (LGBTQIA*) jenseits von binärer Geschlechterordnung und Heterosexualität ein.
(Bitte informieren Sie sich über die Gleichstellungsarbeit auf der Website der Kommission für Gleichstellung und Diversität: E-Mail: gleichstellungskommission@muthesius.de.)